Baltisches Loch

Storytelling-Performance, 35 Minuten,
Kunstraum Studio54Kberg, 2019
Requisiten: Diaprojektion einer Landschaft, Diaprojektor,
Transformator, Autobatterie, zwei Kisten als Podest

Die Performance fand auf der Straße statt.
Ein Dia – die Abbildung einer Landschaft – wird auf die orangene Rückwand des Schaukastens des Kunstraums Studio54Kberg, ehemals der Schaukasten des daneben befindlichen
Antiquitätenladens, projiziert. Der orangene Hintergrund des Kastens und das am Anfang der Performance in der Dämmerung noch vorhandene Tageslicht lassen das projizierte Landschaftsbild nur diffus erkennen. Mit zunehmender Dunkelheit wird das Landschaftsbild während der Performance klarer, aber aufgrund der orangenen Projektionsfläche nie deutlich sichtbar.

Landschaft zwischen Wirklichkeit und Erinnerung. Ich erzähle
von meiner Reise durch Lettland auf der Suche nach einer Landschaft, deren Bild sich in mir durch die Erzählungen meines Vaters vom Tag seiner Desertion auf die russische Seite der Front geformt hatte. Im Moment der Lokalisierung der Landschaft treffen neben der Erinnerung meines Vaters die Blicke,
Erfahrungen und Erzählungen drei weiterer Menschen in einem Landschaftsbild aufeinander – meine eigene, die eines 95 Jahre alten Letten, der im 2. Weltkrieg auf deutscher Seite an der Ostfront gekämpft hat und an der von mir lokalisierten Stelle verwundet wurde, und die einer Moosbeerensammlerin, die ich beim Durchwandern des Sumpfgebiets traf. Wenn die Worte verklungen sind, wird das Dia aus dem Projektor genommen und die Zuhörenden bleiben mit einem Nachbild zurück – einem visuellen und einem gedanklichen.

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