Karlowna

19:00 min, HD Video,

Karlowna, ein Patronym, heißt auf Russisch die Tochter Karls. Mein Vater, Karl, heute 95 Jahre alt, ist 50 Jahre älter als ich. Im zweiten Weltkrieg war er Soldat an der russischen Front. Durch meine ganze Kindheit hindurch hat er immer viel über den Krieg erzählt - vor allem vom Tag seiner Desertion auf die russische Seite der Front und von seinen Erfahrungen als Kriegsgefangener und Mitarbeiter einer russischen Propagandaabteilung, wo er Flugblätter herstellte und über Mikrofon an der Front zu den deutschen Soldaten sprach; und wie er sich in den Nachkriegsjahren in Thüringen mit Schmuggelgeschäften durchschlug, bis es ihm gelang nach Süddeutschland zurückzukehren. Schon in meiner Jugend habe ich sein Erzählen auf Tonband festgehalten. Der Film besteht aus diesen älteren Tonbandaufnahmen und neuen Ton- und Bildaufnahmen, die ich auf meiner Reise nach Lettland, aber auch bei ihm Zuhause und in seiner Werkstatt gemacht habe. So entsteht eine Collage aus unterschiedlichen Erzählstimmen, aus unterschiedlichen Zeiten und Situationen. Herzstück des Films ist sein Werkstattheft, das wir während der Dreharbeiten in seiner Werkstatt gefunden haben. Es stammt aus seiner Lehrzeit. Herausgegeben von der NSDAP, musste jeder Lehrling seine Lehrzeit darin dokumentieren. Neben Konstruktionszeichnungen enthält es Wochenberichte mit Sinnsprüchen,
die die Lehrlinge wöchentlich vom Schwarzen Brett der Fabrik abschreiben und in ihr Werkstattheft übertragen mussten.